Traum von perfekter Lösung

Kieler Nachrichten: Von Frank Molter, 28.04.2015, 10:15 Uhr

Seit November 2014 sind die besten Beachvolleyballer des Landes nun in einer neuen Beachhalle in Kiel zu Hause. Sechs Monate später ist für den Schleswig-Holsteinischen Volleyballverband (SHVV) nicht mehr alles Gold, was im Sand am Grasweg glänzt. SHVV-Präsident Bernd Neppeßen zog gestern ein erstes Fazit und machte beim Ortstermin mit Oberbürgermeister Ulf Kämpfer viel Werbung in eigener Sache.

 

Beachvolleyball-Ortstermin in Kiel:
Während SHVV-Präsident Bernd Neppeßen (links) auf einen Ballkontakt verzichtet, ist
Oberbürgermeister Ulf Kämpfer zur Freude zweier junger Landesauswahlspielerinnen
aktiv. Foto Molter

Lange hatte der SHVV für ein eigenes Areal am Bundesstützpunkt Kiel gekämpft. Dann war die ewige Pendelei nach Bordesholm im vergangenen Winter endlich Geschichte und die Erleichterung nach der Eröffnung durch einen privaten Betreiber groß. 500 Stunden verbringen die Auswahlathleten verteilt auf alle Altersklassen nun in den Wintermonaten in dem 800 000-Euro-Komplex. Der SHVV, der sich zunächst für drei Jahre eingemietet hat, ist grundsätzlich zufrieden, den besten Beachern zusätzlich zum Vereinstraining den Feinschliff in Kiel anbieten zu können. „Diese Lösung kann aber nur ein Übergang sein“, meint Bernd Neppeßen. „Es ist super, dass es die Halle gibt. Fakt ist aber, dass wir nur Gast sind, und die Halle kommerziell betrieben wird. Und da wir auf die betriebswirtschaftliche Entwicklung keinen Einfluss haben, fehlt uns eine Planungssicherheit“, so der 55-Jährige.

Was dem Polizeibeamten zusätzlich Kopfschmerzen bereitet, ist die im Vergleich zu den anderen Stützpunkten in Berlin, Stuttgart und Münster verbesserungswürdige Ausstattung. Neben Kraft-, Massage- und Behandlungsräumen fehlen in der ehemaligen Eisen- und Stahl-Fabrikhalle Trainerbüros. Außerdem entsprächen, so Neppeßen, Sandkörnung und Lichtverhältnisse sowie die Ausmaße der vier Plätze nicht professionellen Ansprüchen, was Landestrainerin Monika Grande (26) bestätigt. „Bei den ganz Kleinen ist das nicht ganz so schlimm, aber generell müsste unbedingt was am Licht gemacht werden“, erklärt die Kieler Zweitligaspielerin, während sie einen ausgefallenen Strahler direkt über der Platzmitte begutachtet.

Während der SHVV bereit wäre, zusammen mit dem Betreiber Verbesserungen voranzutreiben, träumt Neppeßen schon von der „perfekten Lösung“: der Eingliederung der Beachvolleyballer in das von der KSV Holstein und dem THW Kiel geplanten gemeinschaftlichen Leistungszentrum in Projensdorf. Jeweils drei Indoor- und Outdoorplätze schweben dem SHVV vor. „Ich denke, das würde dem Projekt gut tun. Im Hinblick auf Fördermittel könnten wir als Amateure zudem ein Türöffner sein“, mutmaßte Neppeßen. Der Halle im Grasweg würde man aber auch mit Projensdorf gerne treu bleiben.

Bei Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, der sich im Zusammenspiel mit der Landesauswahl der Jahrgänge 2002/03 anschließend im Sand mächtig ins Zeug legte, stieß Neppeßen auf offene Ohren. „Ich stehe Disziplinen, die Kiel als Sportstadt weiter auffrischen, sehr positiv entgegen und könnte mir die Beachvolleyballer gut in einem solchen Zentrum vorstellen“, sagte Kämpfer. Nach anfänglicher Skepsis würde er für das Projekt Projensdorf den politischen Willen als auch die planerischen Möglichkeiten sehen.

Im Hinblick auf den möglichen Wegfall etlicher Kleingärten war die Stadtverwaltung vor einem möglichen B-Plan-Verfahren damit beauftragt worden, Alternativstandorte im Umfeld zu prüfen. „Dieser Prozess ist jetzt abgeschlossen und kommt demnächst in die Ausschüsse“, meinte Kämpfer, „es wäre toll, wenn es noch in diesem Jahr eine Grundsatzentscheidung geben würde.“